Zum 200jährigen Kirchenchorjubiläum im Jahr 2005 erscheint im Butz-Verlag die

"Missa solemnis in C"
des Ottobeurer Paters Franz Xaver Schnitzer OSB

Als Festgabe zum 200jährigen Bestehen des Ottobeurer Kirchenchores überreicht der amtierende Pfarrer P. Johannes Schaber OSB den Erstdruck der Missa solemnis in C des Ottobeurer Paters Franz Xaver Schnizer (1740-1785), die Herr Friedrich Hägele aus Aalen auf Wunsch von P. Johannes zum Jubiläum spartiert hat. Schnizers Festmesse in C erscheint 2005 im Butz-Musikverlag (Sankt Augustin).
Schnitzers Werke stehen an der musikgeschichtlich interessanten Schnittstelle vom Spätbarock zur Klassik. Neben der vollendet berrschten kontrapunktischen Setzweise findet man in seinem Werk auch bereits das Bemühen um klare und einfache Harmonik und Melodik. Die erstmals veröffentlichte, klangprächtige Festmesse  in C komponierte Schnizter für die Reichsabtei Ottobeuren. Das opulente Werk erfordert gute Solisten, ist aber für Chor und das bescheiden besetzte Orchester problemlos erreichbar.

Siehe unter www.butz-verlag.de
 



Sing-Wochenende in St. Gallen

Joseph Haydn: Missa Solemnis
aus dem Ottobeurer Musikarchiv

Leitung: Mario Schwarz
Kathedrale St. Gallen
17. und 18. Mai 2003

Information im Internet unter:
www.collegium-musicum.ch






CD der Haydn-Messe Ende 2002 bei Hänssler erschienen und im Handel erhältlich.


Noten der Haydn-Messe
erscheint 2003 im Druck bei:

Verlag Kunzelmann
Adliswil bei Zürich


Uraufführung einer Haiden-Messe
aus dem Musikarchiv Ottobeuren
24.-16. Mai 2002

Unwillkürlich fragt man sich, ob es so etwas überhaupt noch gibt. Sind nicht schon alle Werke Joseph Haydns (1732-1809) schon unzählige Male verlegt und aufgeführt worden? Wenn es sich bei der aus dem Musikarchiv Ottobeuren stammenden Messe um eine echte von Joseph Haydn handeln sollte, wäre das geradezu eine musikalische Sensation.

Doch zur Vorgeschichte: Friedrich Hägele, seit 40 Jahren Chorleiter im württembergischen Aalen, ist ein musikalisch und historisch interessierter Lehrer. In den letzten 20 Jahren war er in vielen Bibliotheken in Süddeutschland, Österreich, der Schweiz, in Italien, Tschechien, der Slowakei und in Ungarn unterwegs. Tagelang stöberte er in Klosterbibliotheken, Stadtarchiven und Bibliotheken von Fürstenhäusern nach alten musikalischen Handschriften aus der Zeit von 1600 bis etwa 1850. Es sind oft schwer entzifferbare, noch mit Federkiel und selbstgemachter Tinte auf selbst hergestelltem Papier verfasste Notenblätter, die durch häufigen Gebrauch oft schon recht zerfleddert sind. Stets nur Einzelstimmen.

Friedrich Hägele hat in stundenlanger mühsamer Knobelarbeit das oft sehr schwer entzifferbare Notenmaterial in die heute gebräuchlichen Notenschlüssel übertragen und zu einer aufführbaren Partitur am PC zusammengestellt und die oft häufigen Abschreibfehler berichtigt. Hunderte von verschiedensten Werken (Offertorien, Gradualien, Hymnen, Antiphonen, Motetten und Messen) hat er bereits geschrieben. Über hundert Werke von Komponisten wie Johann Michael Haydn, Fux, Caldara, Eberlin, Galuppi, Diabelli, Pergolesi, Rathgeber, Camerloher, Führer, Vitasek, Myslivecek, Dreyer, Zach, Bühler und anderen sind bereits bei verschiedenen Musikverlagen erschienen und immer wieder fragen Chöre aus dem In- und Ausland bei ihm nach bislang unbekannter Musik nach, um diese aufzuführen. Besonders auf die vielen Veröffentlichungen von Franz Xaver Brixi, einen bislang kaum bekannten, aber virtuosen böhmischen Komponisten aufmerksam.

Im Musikarchiv der Pfarrkirchenstiftung Ottobeuren liegt unter der Signatur Mo 464a eine Solemnismesse. Auf dem Titelblatt steht: Missa solennis / à / Canto, Alto, / Tenore, Basso, / II. Violinis / II. Hautbois / II. Clarinis / Alto Viola oblig. / Organo & Basso / ad Chorum Ottoburensem / Auth. Jos. Haiden. 
Wie diese Messe nach Ottobeuren kam, wer der Schreiber ist, woher sie abgeschrieben wurde, ob sie selbst ein Autograph ist, das alles lässt sich leider nicht feststellen. Wer war aber nun dieser Jos. Haiden, der auf dem Titelblatt seinen Namen hinterlassen hat? Handelt es sich wirklich um den österreichischen Komponisten der Wiener Klassik?

Bekannt ist, dass Haydns Haus in Eisenstadt zweimal abgebrannt ist und nicht zuletzt deshalb zwei seiner Messen nebst vielen anderen Werken verschollen sind. Könnte es sich hier um eine vorher gefertigte Abschrift handeln? Beziehungen bestanden vom Kloster Ottobeuren aus durchaus in den österreichischen Raum, denn Ottobeurener Mönche lehrten als Professoren an der Benediktiner-Universität zu Salzburg, die wiederum gute Kontakte zu beiden Brüdern Haydn hatte. Aber dass der Schreiber auf dem Titelblatt Haydn mit –ai- und der Endung –den schreibt, ist eher ungewöhnlich. Aber auch dafür weiß Friedrich Hägele eine Erklärung. Joseph Haydns Urgroßvater Caspar Haiden stammte aus dem Dorfe Datten auf der Hai-den; es ist also durchaus möglich, dass sich Haydn bisweilen als Haiden schrieb. Gibt es andere Elemente, die beweisen könnten, dass Haydn selbst die Noten verfasst hat?

Die Messe stammt aus den Jahren um 1790 und ist im musikalischen Stil Haydns geschrieben. Es handelt sich um ein qualitativ hochstehendes Musikwerk. Nach weiterem Suchen fand Hägele weitere Abschriften desselben Werkes, zweimal in Tschechien (in St. Jacub in Prag und in der Bibliothek der Gräfin Lobkowicz in Litomerice) und ein weiteres Mal in Veszprem in Ungarn. Dort verfügen die Noten über keine Zeichnung eines Autors. Doch klar ist, dass sie Kompositionsweisen von Joseph Haydn, W.A. Mozart und Vaclav Pichl ähnelt. Einen schlüssigen Beweis, dass es sich hier um eine Festmesse Haydns handeln könnte, gibt es nicht - oder jedenfalls bis jetzt nicht. Das kann Hägele getrost den Musikwissenschaftlern überlassen.

Wichtig ist, dass dieses Werk nun nach monatelanger kniffliger Arbeit auch zur Aufführung kommt. Damit erklingt nun als Erstaufführung seit der Säkularisation (1803) ein Werk, das ohne die Arbeit Hägeles weiterhin seinen Dornröschenschlaf unter dicker Staubschicht gehalten hätte.

Der Hänssler Verlag wird Ende 2002 die Messe auf einer CD veröffentlichen.


Mario Schwarz, Leiter des Collegium Cantorum in St. Gallen hat in den letzten Jahren öfters mit Friedrich Hägele zusammengearbeitet und dessen Neuentdeckungen aufgeführt.
So findet nun im Rahmen des Internationalen Bodenseefestivals ein Haydnfest statt. Das Collegium Cantorum St. Gallen in Verstärkung mit dem Oberthurgauer Kammerchor und der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz führen drei Haydnwerke auf. Zum Einen ist es Joseph Haydns Sinfonie Nr. 90, dann die beschriebene Missa Solemnis von Joseph Haiden aus dem Ottobeurer Musikarchiv und das Offertorium Perfice gressus meos von Johann Michael Haydn, das Friedrich  Hägele aus Manuskripten aus St. Peter in Salzburg geschrieben hat. Solisten sind Judith Scherrer (Sopran), Muriel Schwarz (Alt), Lukas Albrecht (Tenor) und Michael Haag (Bass).


Dreimal wird das Konzert jeweils um 20 Uhr aufgeführt und zwar am Freitag, 24. Mai in der Kirche St. Martin in Arbon (Schweiz), an Samstag 25. Mai in der Kirche St. Laurenzen in St. Gallen (am Domplatz) und am Sonntag, den 26. Mai in der Kirche St. Stephan in Konstanz. Ausführliches Programm unter:

www.bodfest.de